Das Aus für den Hort im HdG
CDU/FDP-Gruppe boxt Konzept mit Einstimmen-Mehrheit durch - Von Thomas Hartmann
Die eindringlichen Bitten der Hort-Kinder halfen nichts: Im Rat der Stadt setzte sich die CDU/FDP-Gruppe durch und vortierte gegen den Umzug der Einrichtung in das Haus des Gastes Foto: Hartmann
30.04.2010 10:00:00
Visselhövede. "Kinder sind auch Eure Zukunft!“ "Wir wollen doch nur ein schönes Zuhause auf Zeit“, "Wir sind die kleinen Strolche und Ihr seid unsere Hoffnung!“ Vor dem Rathaus empfingen die Hort-Kinder mit ihren Eltern und Betreuern die Mitglieder des visselhöveder Stadtrates mit Plakaten. Sie hofften darauf, dass sich der Rat doch noch dazu durchringen würde, den Hort ins Haus des Gastes (HdG) zu verlegen. Vergeblich: Mit ihrer Ein-Stimmen-Mehrheit boxte die Gruppe CDU/FDP ihr Konzept durch. Und das hat keinen Platz für einen Hort im neuen Haus der Bildung.
Es geht um viel Geld. 450.000 Euro Zuschuss zur Umgestaltung des in den 70er Jahren als Anlaufpunkt für Touristen gebauten HdG stehen auf dem Spiel. Darum musste ein Konzept her. Nachdem die EuroSchulen und die geplante HeilpraktikerSchule nicht mehr Gegenstand der Planung sind, hatte die Verwaltung den Vorschlag erarbeitet, den Kinderhort aus der GrundSchule in die jetzige Bücherei zu verlegen und so ein Haus der Bildung mit Leben zu füllen. Doch mit diesem Plan stieß Bürgermeisterin Franka Strehse auf heftigen Widerstand aus den Reihen von CDU und FDP (siehe www.rotenburger-rundschau.de).
"Der Kinderhort sprengt jeden finanziellen Rahmen“, begründete Gruppensprecher Dieter Carstens (CDU) den Antrag. "Planerisch sind die notwendigen Voraussetzungen für die Einrichtung eines Hortes nicht berücksichtigt worden.“ Das unterstrich Volker Behrens (FDP), indem er aus der Verordnung für die Einrichtung von Kindertagesstätten zitierte: "Was zwingend vorgeschrieben ist, können wir dort nicht bieten.“ Er zählte auf: "Eine Küche muss vorhanden sein. Separater Arbeitsraum, Büro und Geraderobe sind erforderlich. Eine Doppelnutzung ist auszuschließen. Eigene Fluchtwege müssen vorhanden sein. Das alles bringt Mehrkosten im sechsstelligen Bereich.“ Argumente der SPD, dass all das auch in der GrundSchule nicht gewährleistet sei, wurden von der Gruppe CDU/FDP nicht weiter kommentiert.
Lothar Cordts, Fraktionsvorsitzender der SPD, warf dem politischen Gegner vor, lediglich gegen Franka Strehse einen Sieg erzwingen zu wollen: "Sie witterten einen Alleingang der Bürgermeisterin und stemmten sich dagegen.“ Die Gruppe "beharre starrköpfig auf ihrer Position“, die die Lösung des Hauptproblems "in keiner Weise berücksichtige“. Es gehe schlicht "um die Genugtuung, der Bürgermeisterin die Mehrheitsverhältnisse im Rat deutlich machen zu können“. Die Ideen der CDU hielt er für wenig realistisch. "Ich sehe vor meinem geistigen Auge bereits Scharen von Schülern in das Erzählcafé der Senioren strömen.“ Angesichts der Tatasache, dass in jedem Haushalt PC zur Verfügung stünden, kann er sich nicht vorstellen, dass ein Mouse-House, wie von CDU/FDP angeregt, großen Zulauf finden werde. Er deklarierte das CDU/FDP-Konzept als "Deckmantel für eine reine Sanierung“.
Ihn überzeugte auch die Vorstellung des Konzeptes durch Willi Bargfrede (CDU) nicht, der es maßgeblich entworfen hatte. Der bezeichnete es als "ausgereift, vielschichtig und genehmigungsfähig“.
Strehse mahnte an, die offenkundigen Synergien zu nutzen, die sich aufdrängten: "Es ist grob fahrlässig, angesichts unserer Kassenlage das Problem des Hortes nicht in einem Zuge mit lösen zu wollen.“ Das Argument, der Hort sei ein Auslaufmodell, ließ sie nicht gelten. "Auch ich wünsche mir die GanztagsSchule für alle Schulformen. Aber das dauert mindestens noch zehn Jahre. Und solange haben wir den Hort.“ Das sah Heinz Kirchfeld (CDU) ganz anders. Er sprach von "maximal zwei bis drei Jahren“.
Hedwig Schmidt (Grüne) fragte die CDU/FDP-Gruppe: "Welche Probleme löst Ihr Konzept?“ und prophezeite: "Zur Umsetzung Ihrer Ideen brauchen wir Personal. Das kostet viel Geld.“ Ihr Parteikollege Enno Precht rief dazu auf, über eine gemeinsame Lösung nachzudenken: "Es ist ein kleiner Schritt, in dieses Konzept noch den Hort einzubauen.“
Jörn Riedel-Vollmer zeigte wenig Verständnis für die strikte Haltung der CDU/FDP: "Sie ignorieren sämtliche Argumente aller Beteiligten. Ich hoffe, dass der Wähler nicht so schnell vergisst, was Sie hier machen.“
Die von Cordts beantragte geheime Abstimmung wurde mit der knappen Mehrheit von CDU und FDP abgelehnt. Offen votierten alle Gruppenmitglieder für den eigenen Antrag, der damit angenommen wurde. Und so steht zu vermuten, dass, wie Strehse angekündigt hatte, das Thema Hort in den nächsten Sitzungen wieder auf der Tagesordnung steht. "Und wenn wir in einem anderen öffentlichen Raum den Hort einrichten, werden die gleichen Voraussetzungen daran gestellt und die gleichen Kosten entstehen.“ © Rotenburger Rundschau GmbH & Co. KG